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Waterberg Plateau - auf den Spuren der Nashörner

Das Waterberg-Plateau bildete den letzten großen Abschnitt unserer Namibia-Rundreise – und noch einmal zeigte sich uns das Land von einer ganz neuen Seite. Schon von Weitem waren die markanten, rötlich  leuchtenden Sandsteinfelsen zu erkennen, die sich wie eine gewaltige natürliche Festung aus der flachen Landschaft erheben. Nach den trockenen und offenen Ebenen, die uns auf weiten Teilen unserer Reise begleitet hatten, überraschte uns der Waterberg mit seiner üppigeren Vegetation, seinen schattigen Wegen und dem vielen Grün.

Eine grüne Insel inmitten der Kalahari
Das Plateau liegt rund 68 Kilometer östlich von Otjiwarongo und ragt deutlich über die umgebende Kalahari-Ebene hinaus. Das Gestein speichert Regenwasser, das an verschiedenen Stellen wieder als Quelle austritt. Dadurch konnten sich am Waterberg besonders vielfältige Lebensräume entwickeln.
Die Region ist botanisch außergewöhnlich artenreich und bietet zahlreichen Vogel- und Tierarten einen geschützten Lebensraum. Das Plateau und das umliegende Gebiet wurden 1972 als Schutzgebiet ausgewiesen. Die Verbindung aus roten Felswänden, dichtem Buschland und grünen Tälern verleiht dem Waterberg eine ganz besondere Atmosphäre.

Ein Ort mit schwerer Geschichte
Der Waterberg ist jedoch nicht nur landschaftlich, sondern auch historisch von großer Bedeutung. Im August 1904 kam es hier während des Aufstands der Herero gegen die deutsche Kolonialherrschaft zur Schlacht am Waterberg, die auch als Schlacht von Ohamakari bezeichnet wird.
Nach den Kämpfen flohen zahlreiche Herero mit ihren Familien in Richtung Omaheke-Wüste. Die Verfolgung, Vertreibung und Abriegelung der Wasserstellen wurden Teil des Völkermordes an den Herero und Nama. Damit ist der Waterberg nicht nur ein Naturparadies, sondern zugleich ein Ort, an dem eines der dunkelsten Kapitel der deutsch-namibischen Geschichte bis heute gegenwärtig ist.

Die Waterberg Plateau Lodge und die Waterberg Wilderness Lodge
Untergebracht waren wir in der ersten Nacht in der Waterberg Plateau Lodge, von welcher wir eine großartige Aussicht auf das Buschland der Kalahari Ebene hatten. Die andere Nachte verbrachten wir in der Waterberg Wilderness Lodge, die in einem grünen Tal unterhalb der steilen Felswände liegt. Schon die Umgebung der Lodge gefiel uns sehr gut.
Bei einem Rundgang durch das Tal konnten wir die besondere Landschaft in aller Ruhe genießen. Zwischen Bäumen, Sträuchern und roten Felsen führten die Wege durch eine beinahe parkähnliche Umgebung. Nach den vielen langen Fahrten der vergangenen Tage tat es gut, einfach zu Fuß unterwegs zu sein, stehen zu bleiben und die Natur ohne Zeitdruck auf uns wirken zu lassen.

Rhino Tracking zu Fuß
Das eindrucksvollste Erlebnis unseres Aufenthalts war jedoch das Rhino Tracking zu Fuß. Gemeinsam mit unserem Guide machten wir uns auf die Suche nach den dort lebenden Breitmaulnashörnern.
Dabei merkten wir schnell, dass es bei dieser Tour nicht nur darum ging, möglichst rasch ein Nashorn zu entdecken. Vielmehr lernten wir, die Landschaft mit ganz anderen Augen zu betrachten.

Die Spuren der Wildnis lesen
Unser Guide zeigte und erklärte uns nahezu alles, was sich am Wegesrand als Spur des Lebens entdecken ließ. Wir untersuchten Fußabdrücke, Fraßspuren und Hinterlassenschaften verschiedener Tiere. Selbst Giraffenkot wurde für uns plötzlich interessant, weil sich daraus einiges über die Tiere und ihre Bewegungen ablesen ließ.
Wir sahen Erdlöcher, in die sich Schlangen und andere Tiere zurückziehen können, und erfuhren, welche kleinen Zeichen verraten, ob ein Bau noch genutzt wird.
Wo wir vorher vielleicht achtlos vorbeigegangen wären, erkannten wir nun Spuren, Vertiefungen, abgebrochene Zweige und andere Hinweise darauf, dass Tiere ganz in der Nähe gewesen sein mussten. Unser Guide verfügte über ein beeindruckendes Wissen und vermittelte es so anschaulich, dass der Weg selbst bereits zu einem besonderen Erlebnis wurde.

Eine Begegnung mit Breitmaulnashörnern
Und dann war es tatsächlich so weit: Vor uns stand eine Gruppe Breitmaulnashörner.
Wir blieben in respektvollem Abstand stehen und beobachteten die mächtigen Tiere ganz still. Einem Nashorn zu Fuß zu begegnen, ist etwas völlig anderes, als es aus einem Fahrzeug heraus zu sehen. Plötzlich gibt es keine schützende Karosserie, und man nimmt die Größe, Kraft und Ruhe dieser Tiere viel intensiver wahr.
Breitmaulnashörner sind trotz ihres englischen Namens (White Rhino) nicht weiß. Ihr besonderes Merkmal ist vielmehr das breite, flache Maul, das hervorragend an das Grasen angepasst ist. Im Unterschied dazu besitzt das Spitzmaulnashorn eine spitz zulaufende Oberlippe, mit der es Blätter und Zweige greifen kann. Der englische Name  geht sehr wahrscheinlich auf eine Fehlübersetzung des altniederländischen bzw. Afrikaans-Wortes „wijd“ (oder wyd) zurück, das „breit“ bedeutet.

Schutz rund um die Uhr
Die Nashörner in diesem Gebiet werden rund um die Uhr bewacht. Der permanente Schutz machte uns sehr nachdenklich. Einerseits war es beruhigend zu wissen, wie intensiv man sich hier um die Tiere kümmert. Andererseits zeigt die notwendige Bewachung, welcher Gefahr Nashörner durch Wilderei weiterhin ausgesetzt sind. Gerade deshalb war diese Begegnung für uns nicht nur faszinierend, sondern auch bewegend. Wir standen lange da und beobachteten, wie die Tiere ruhig grasten und sich langsam durch das Gelände bewegten. Dabei waren wir uns bewusst, welches Glück wir hatten, ihnen in dieser natürlichen Umgebung so nahe kommen zu dürfen. Das Rhino Tracking war für uns weit mehr als eine gewöhnliche Tierbeobachtung. Wir lernten, wie viele Geschichten sich in scheinbar unscheinbaren Spuren verbergen und wie viel Erfahrung erforderlich ist, um die Zeichen der Wildnis richtig zu deuten. Die Begegnung mit den Nashörnern war schließlich der Höhepunkt einer Tour, bei der bereits jeder einzelne Schritt spannend gewesen war.


Unsere letzte Station war die Düsternbrook Guest Farm, nördlich von Windhhoek.

 
 
 
 
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